
Schwerpunkt Biotechnologie
Impulsgeber mit Potenzial
Wissen, was dahinter steckt!
Innerhalb der Biowissenschaften gehört die Biotechnologie zu dem am stärksten wachsenden Wirtschaftszweig in Deutschland - und zu dem am kontroversesten diskutierten Themenbereich. Nach der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist Biotechnologie „... die Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen, Teile von ihnen, ihre Produkte oder Modelle von ihnen zwecks Veränderung von lebender oder nicht lebender Materie zur Erweiterung des Wissensstandes, zur Herstellung von Gütern und zur Bereitstellung von Dienstleistungen.” Unterschieden wird zwischen der Roten Biotechnologie (Medizin), der Grünen Biotechnologie (Landwirtchaft) sowie der Weißen Biotechnologie (Industrie).
Frau Hanack, war Biologin beziehungsweise Biotechnologin schon immer Ihr Traumberuf?
Eigentlich ja. Ich hatte einen Biologielehrer, der das Fach so spannend vermittelt hat, dass ich nur das studieren wollte. Zur Biotechnologie und meinem Schwerpunkt Immunologie bin ich dann über meine Promotion gekommen, in der ich mich mit dem menschlichen Immunsystem, der Erkrankung durch Infektionserreger und der Herstellung monoklonaler Antikörper beschäftigt habe. Es macht mir Spaß, an etwas zu arbeiten, was wichtig und sinnvoll ist.
Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?
Dass ich, um Antworten zu bekommen, immer wieder Experimente entsprechend planen und ausführen muss. Wenn dann die Ergebnisse vorliegen, wird es richtig spannend: Wie passen sie ins Konzept und wie kann es weitergehen? Wenn ich dann meine Ideen bestätigt bekomme, ist das wunderbar.
Mittlerweile leiten Sie die Nachwuchsgruppe Antikörpertechnologien an der Universität Potsdam. Woran forschen Sie dort aktuell?
Antikörper werden in der Therapie, Forschung und Diagnostik eingesetzt. Normalerweise werden Antikörper hergestellt, indem Mäusen ein Antigen injiziert wird, das dann eine Immunreaktion auslöst. Nach einigen Monaten können dann die Antikörper produzierenden Zellen entnommen und für das jeweilige Anwendungsgebiet weiterverarbeitet werden. Für den Therapieeinsatz beim Menschen muss beispielsweise eine recht komplizierte Humanisierung der Antikörper erfolgen. Wir arbeiten daran, die sehr zeit- und personalaufwendige Methode zur Herstellung von Antikörpern so weit zu vereinfachen, dass eine Entwicklung nicht mehr 6–8 Monate, sondern nur noch 6–8 Wochen dauert. Eine Alternative, an der wir forschen, ist beispielsweise die In-vitro-Immunisierung, bei der die Immunreaktion eines Organismus künstlich in die Zellkultur übertragen wird. Etabliert sich dieses Verfahren, wäre es sogar möglich, speziesunabhängig zu arbeiten und zum Beispiel durch den Einsatz humaner Zellen auch direkt humane Antikörper zu gewinnen. Neben einer großen Arbeits- und Kostenersparnis würden dann auch keine Tiere mehr für die Produktion von Antikörpern benötigt.
Bei Interesse an Biologie/Biotechnologie — was sollte eine Schülerin ihrer Meinung nach fürs Studium mitbringen?
Wissenschaft muss ihre Leidenschaft sein; dafür macht man auch weit über die normalen Arbeitsstunden hinaus Experimente, weil man das Ergebnis unbedingt wissen will. Der Forschungsdrang muss da sein. Sie sollte auch mit vielen Misserfolgen klarkommen, weil Experimente nicht beim ersten Mal klappen. Davon darf man sich aber nie entmutigen lassen. Es ist eine Sache der Einstellung. Nur etwas nach Schema 08/15 abzuarbeiten, bringt in der Wissenschaft nichts. Da braucht es kreative und belastbare Köpfe.