
Schwerpunkt Anorganische Chemie
Fundament für feine Verbindungen
Frau Mudring, Sie experimentierten als Kind im eigenen Heimlabor. Mit welchen Ergebnissen?
Für mich waren die Experimente in meinem Heimlabor wahnsinnig interessant und das Herstellen oder Untersuchen neuer Verbindungen extrem spannend.
Meine Mutter erinnert sich gerne an den mit selbst hergestelltem Chlor gebleichten Salat und mein Vater fragte sich als Versicherungsvertreter immer mal wieder, ob wir bei den ganzen Chemikalien aus den Chemie-Baukästen im Keller richtig versichert sind. Also, mir war schon früh klar, dass ich Forscherin werden wollte. Allerdings habe ich lange zwischen einem Physik- und einem Chemiestudium geschwankt. Schließlich habe ich als Schülerin an einem Wettbewerb, der internationalen Chemie-Olympiade, teilgenommen. Da war dann klar, dass ich Chemie studieren würde. Aber die Physik begleitet mich bis heute.
Trotz gebleichtem Salat: Sind Sie von Ihrer Familie unterstützt worden?
Ja, absolut. Meine Eltern und Großeltern haben mich in meinen naturwissenschaftlichen Neigungen sehr unterstützt. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten gab es Elektronik- und dann später Chemie-Baukästen. Es gibt so ein paar Weihnachtsgeschenke, die ich nicht vergesse. Zum Beispiel als mein Großvater mir meinen ersten echten Laborkittel geschenkt hat. Hinsichtlich meiner Fächerwahl beim Studium haben mir meine Eltern damals gesagt: „Wenn Du Chemie studieren willst, dann mache es – aber beschwere Dich nicht, wenn der Weg steinig wird.” Immer wenn ich dann mal gestöhnt habe, haben sie sofort gesagt: „Dann mach' doch eine Banklehre.” Und dann war mir klar, dass ich das auf keinen Fall, sondern viel lieber Chemikerin werden wollte.
Welche Erfahrungen haben Sie im Studium gemacht?
Das Chemiestudium ist sehr zeitintensiv. Neben den Vorlesungen verbringt eine Studentin viel Zeit in Praktika und zu Hause muss dann der Stoff nachgearbeitet und Protokolle geschrieben werden. Dennoch hat es mir (fast) immer Spaß gemacht und ich habe bereits zu Studienbeginn auch nebenbei gearbeitet, zunächst als studentische Hilfskraft im Auswärtigen Amt. Das war eine tolle Zeit und ich habe überlegt, ob das nicht auch etwas für mich wäre. Aber Forscherin zu werden, war dann doch reizvoller für mich. Nach dem Vordiplom habe ich dann an der Universität gearbeitet. Zuerst als Tutorin in der Physikalischen Chemie und als Laborassistentin in der Anorganischen Chemie. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, anderen komplexe Sachverhalte zu erklären. Das mache ich ja als Hochschullehrerin heute noch.
Hinweis: Fortsetzung des Interviews auf Seite 25.