
Schwerpunkt Materialwissenschaften
Im Reich der besonderen Stoffe
Viel Spaß am Thema, ein motivierender Chemielehrer und Eltern, die das Interesse von Dr. Sabine Oepen bestens unterstützten. Die Chemie zwischen erklärtem Studienziel und persönlichem Umfeld stimmte so gut, dass die heute 45-Jährige im Fach Chemie studierte und promovierte! Heute ist sie Gruppenleiterin bei BASF SE und Styrol-Kunststoffe stehen im Mittelpunkt ihres beruflichen Lebens. Privat dagegen dreht sich alles um ihre Familie, die Fitness und ihre Oboe, mit der sie im Symphonieorchester musiziert.
Frau Oepen, nennen Sie uns bitte ein paar alltägliche Verwendungszwecke für Styrol-Kunststoffe?
Die Verwendungsmöglichkeiten für Styrol-Kunststoffe sind enorm. Wir finden sie in unterschiedlichsten Produk-
ten des täglichen Lebens, zum Beispiel in Haushaltsgeräten, wie Staubsauger- oder Kaffeemaschinen-
gehäusen, in Spielzeug, bei Automobilen in der Innenraumverkleidung oder den Außenspiegeln oder
auch im Fernsehergehäuse. Aber auch in Lebensmittelverpackungen, wie beispielsweise Joghurtbe-
chern, sind Styrol-Kunststoffe ein unverzichtbarer Bestandteil.
Sie sind in der Material- und Systemforschung bei BASF SE in Lud-
wigshafen tätig. Wie sind Sie zu Ihrem Arbeitsgebiet gekommen?
Während des Studiums habe ich mich mit Polymerphysik als Vertiefungsfach beschäftigt, da ich die Zusammenhänge zwischen mikro- und makroskopischen Eigenschaften sehr spannend fand. Beim Berufseinstieg lag mein Interesse dann bei marktnahen, materialwissenschaftlichen Forschungsthemen; insofern passte die Kunststoffforschung sehr gut. Nach dem Einstieg in die Forschung hatte ich die Gelegenheit, das Arbeitsgebiet der Kunststoffe aus sehr unterschiedlichen Perspektiven zu bearbeiten. So war ich in den letzten Jahren viel mit Fragestellungen aus Marketing, Vertrieb, Innovationsmanagement oder Einkauf befasst. Parallel dazu habe ich meine Führungserfahrung ausgebaut. Das ist ein Bereich, um immer etwas Neues zu lernen. Heute bin ich als Gruppenleiterin im Bereich „Advanced Materials and Systems Research” auf dem Gebiet Styrol-Kunststoffe tätig und arbeite gemeinsam mit meinem Team an der Entwicklung neuer und verbesserter Produkte.
Das klingt sehr vielseitig! Braucht es dazu bestimmte Fähigkeiten oder Talente?
Es braucht sicher Spaß an der Durchdringung komplexer Probleme, Hartnäckigkeit, Neugier und die Bereitschaft, ständig neue Fachgebiete für sich zu erschließen.
Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken: Gab es hier besondere Highlights in Form von Praxis- oder Auslandserfahrungen?
Praxiserfahrungen sammelte ich vor allem durch Praktika. Ich habe dreimal als Werkstudentin in der Industrieforschung gearbeitet. Sehr wertvolle Auslandserfahrungen habe ich in meiner Postdoc-Zeit in den USA gesammelt. Das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser, denn ich wusste überhaupt gar nicht, was mich erwartete. Außerdem musste ich gegenüber meinem Professor einiges an Stehvermögen entwickeln, um meine eigenen wissenschaftlichen Ideen in einem für mich neuen Arbeitsgebiet durchzusetzen. Darüber hinaus war natürlich der Kontakt zu Menschen aus vielen unterschiedlichen Kulturen sehr spannend und bereichernd.
Und heute? Sie verknüpfen einen spannenden Job mit
einer Familie mit zwei kleinen Jungs. Wie geht das?
Mit ein bisschen Improvisationstalent klappt das, zumal wir ein sehr gut
funktionierendes Eltern-Netzwerk in unserem Dorf haben. Zudem ar-
beitet mein Mann in Teilzeit und hat auch einige JahreEltern-
zeit genommen.